#23 Das Leben der Bäume: Long story short

Shownotes

Bäume leben deutlich länger als Menschen. Wie können wir dann heute wissen, welche Bäume im Wald der Zukunft wachsen? Waldwachstums-Experte Dr. Peter Biber hat eine ungewöhnliche Antwort parat: Er lässt den Wald mithilfe von Daten aus 150 Jahre im Zeitraffer wachsen, kennt viele Bäume in Bayern persönlich und hat eine eigene Sprache, in der die Bäume ihm ihre langen Lebensgeschichten erzählen.

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00:00:00: Jeder, der einen Waldberuf hat, hört früher oder später den Spruch:

00:00:03: Wie gut hat es doch die Forstpartie! Es wächst der Wald auch ohne sie.

00:00:07: Das würde in der konsequenten Umsetzung bedeuten,

00:00:10: ich kann meinen Beruf als Försterin an den Nagel hängen.

00:00:14: Ob ich wirklich umschule und mir einen neuen Beruf suchen darf,

00:00:17: das weiß ich hoffentlich bis zum Ende dieser Folge.

00:00:21: Mein Name ist Hildegard Vogel und ich bin noch Försterin aus Leidenschaft

00:00:25: an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

00:00:28: Und ihr hört Forstcast, den Waldpodcast.

00:00:42: Ob der Wald wirklich ohne uns Forstleute wächst,

00:00:45: das kläre ich mit einem Mann, der seit über 150 Jahren den

00:00:49: Wald beim Wachsen beobachtet. Naja,

00:00:51: nicht die ganze Zeit persönlich. Also er überblickt die Daten von über

00:00:55: 150 Jahren Waldwachstum in Bayern. Hallo Peter,

00:00:59: Du bist nicht der älteste Mensch in Bayern und auch nicht der

00:01:03: älteste Mitarbeiter an der LWF. Peter, wer bist du? Danke, Hildegard.

00:01:07: Genau. Ich bin das alles nicht. Mein Name ist Peter Biber.

00:01:10: Und so wie du Försterin aus Leidenschaft bist,

00:01:13: bin ich Forstwissenschaftler aus Leidenschaft.

00:01:16: Genauer gesagt, ist mein Spezialgebiet,

00:01:18: es ist das Waldwachstum. Und das finde ich wiederum

00:01:22: besonders interessant. Jeder findet sein Fach besonders

00:01:24: interessant. Aber ich meine es deswegen,

00:01:27: weil das genau an der Schnittstelle entlangfährt,

00:01:31: wo sich die Grundlagenforschung und die Forstpraxis treffen.

00:01:35: Und ich habe in der Tat fast 30 Jahre lang als Waldwachstum Forscher

00:01:40: an der Technischen Universität München an der TUM gearbeitet.

00:01:44: Und ganz unbescheiden sage ich jetzt mal, dass ich ein international

00:01:49: nicht ganz unbekannter Waldwachstum Forscher bin.

00:01:52: Das finde ich spannend, weil nämlich hier am Forstcampus

00:01:55: sind die Forstbereiche von der TU München und der Hochschule

00:01:58: Weihenstephan Triesdorf. Direkte Nachbarn von uns der LWF.

00:02:02: Jetzt frage ich mich Was treibt dich jetzt von der TU einmal über

00:02:07: den Hans von Carlowitz Platz gegenüber zu uns an die LWF.

00:02:10: Das ist eine irre interessante Sache, die schon immer ein sehr wichtiger

00:02:16: Teil meiner Arbeit gewesen ist, nämlich das bayernweite Netzwerk

00:02:22: von langfristigen Waldwachstum skundlichen Versuchsflächen.

00:02:25: Und dazu muss ich jetzt sagen, dass diese Flächen tatsächlich

00:02:28: zu den aller wertvollsten Forschungsinstrumenten gehört,

00:02:31: die wir für den Wald in Bayern haben. Und wie schon oben angedeutet,

00:02:36: das ist ein ganz wichtiger Punkt, wo die Waldforschung auf Grundlagen

00:02:40: mit der Forstpraxis zusammenkommt. Und über etliche Jahrzehnte hat der

00:02:45: Lehrstuhl für Waldwachstumskunde drüben an der TUM die Flächen

00:02:50: betreut, zuletzt mit sehr, sehr großem Erfolg unter Leitung

00:02:54: von Professor Hans Pretzsch. Aber die Flächen haben immer

00:02:57: schon der bayerischen Forstverwaltung gehört.

00:03:00: Und 2023, als Hans Pretzsch in den Ruhestand ging, ist der Lehrstuhl für

00:03:05: Waldwachstumskunde aufgelöst worden und die Flächen sind wieder zurück

00:03:09: an die Forstverwaltung gegangen, sprich an die LWF, wo wir sie jetzt

00:03:13: wieder wissenschaftlich betreuen. Also ich höre Waldwachstum Das

00:03:17: ist schon so dein Ding. Aber es gäbe sicher auch andere

00:03:20: spannende Forschungsbereiche an der TU, wo du dich mit dem Wachstum

00:03:24: der Wälder beschäftigen kannst. Was sind denn oder was macht

00:03:27: denn diesen besonderen Charme oder die Faszination dieser

00:03:30: Versuchsflächen für dich aus, dass du entschieden hast,

00:03:33: gemeinsam mit den Versuchsflächen zu uns an die LWF zu wechseln?

00:03:36: Ein ganz wichtiger Punkt dabei. Das ist diese Langfristigkeit

00:03:40: und die Kontinuität, die da drin steckt in diesen Daten,

00:03:44: die man als Forstwissenschaftler sonst nur sehr, sehr selten findet.

00:03:49: Und wenn ich ein kleines bisschen ausholen darf, also die Geschichte

00:03:52: reicht zurück in die 1870 er Jahre und damals gab es den Königlich

00:03:56: Bayerischen Ministerialforstrat August von Ganghofer und Ganghofer

00:04:01: war tatsächlich ein Visionär und hat gesagt Wir brauchen.

00:04:04: Wenn wir zielführend mit dem Wald umgehen wollen,

00:04:06: müssen wir mehr darüber verstehen. Müssen wir die Gesetzmäßigkeiten,

00:04:10: nach denen er wächst, besser kennen, besser verstehen,

00:04:14: damit wir wirklich für die Praxis was draus ziehen können.

00:04:16: Und das ist nach wie vor seit Ganghofer ungebrochen das

00:04:20: Konzept des Versuchswesen. Er wollte im Prinzip wissenschaftlich

00:04:24: belastbare Grundlagen für den Umgang mit dem Wald schaffen.

00:04:28: Es ist auf jeden Fall so, dass ich seither seit Ganghofer

00:04:31: das Versuchsflächen kontinuierlich weiterentwickelt und kontinuierlich

00:04:35: wirklich wertvolle Daten liefern. Daten,

00:04:38: die wegen ihrer Langfristigkeit, wegen dem Zeitcharakter,

00:04:42: wegen dieses Zeitreihencharakters immer wertvoller werden.

00:04:45: Heute haben wir ungefähr 160 Versuche, die wir betreuen, mit

00:04:51: insgesamt mehr als 1400 Parzellen. Das heißt, jeden Versuch muss

00:04:56: man sich so vorstellen. Der umfasst mehrere Parzellen, auf

00:05:01: denen verschiedene Dinge passieren, die genau dokumentiert werden.

00:05:05: Wenn man die Fläche komplett zusammenzählt aller Versuche kann

00:05:09: man auf etwa 250 Hektar derzeit. Und was mich daran besonders

00:05:14: fasziniert, ist, dass man mit diesen Daten tatsächlich ableiten kann,

00:05:18: nach welchen Spielregeln der Wald wächst, welche Gesetzmäßigkeiten

00:05:22: diese Dynamik beherrschen und damit wiederum, wenn man so was versteht,

00:05:26: Wenn man so was aus den Daten rausholt, kann man der Praxis

00:05:30: natürlich auch fundierten Rat geben, wie wir, wie man, wenn man

00:05:34: bestimmte Ziele mit dem Wald hat, vernünftigerweise damit umgehen

00:05:38: sollte oder verschiedene Optionen quasi anbieten,

00:05:41: die für bestimmte Zielvorstellungen geeignet sind und insofern und.

00:05:47: Und diese diese Gedanken erstrecken sich quasi einerseits, das beginnt

00:05:51: ganz unten beim Baum eskaliert, von den Bäumen hoch zur Ebene von

00:05:55: Bestand und sogar noch weiter hoch auf die Ebene, wo wir es mit

00:05:58: Forstbetrieben oder Landschaften Waldlandschaften zu tun haben.

00:06:02: Also eine sehr interessante Geschichte.

00:06:05: Vielleicht kommt ein bisschen rüber, was mich daran so fasziniert.

00:06:08: Auf jeden Fall. Und für alle Hörer,

00:06:10: die dich ja nicht sehen Du leuchtest förmlich und man merkt sehr,

00:06:13: wie die Waldwachstumskunde dir sehr am Herzen liegt.

00:06:16: Also ich weiß, dass die LWF selbst forscht seit rund 130 Jahren und

00:06:21: wir besitzen knapp 150 Jahre Daten aus der Waldwachstum oder

00:06:27: über das Waldwachstum in Bayern. Das sind jetzt über den Daumen

00:06:30: gepeilt mal ganz grob fünf Generationen an Waldforschenden.

00:06:34: Jetzt mal so unter uns, Peter. 150 Jahre Waldforschung,

00:06:38: fünf Generationen Waldforschung. Haben wir nicht allmählich genug

00:06:41: geforscht über den Wald? Wissen wir nicht jetzt

00:06:43: allmählich mal alles darüber? Wie viel Zeit habe ich denn für

00:06:46: die Antwort? Ich schau mal kurz auf die uhr.

00:06:50: Ja, so zehn Minuten plus -1 bisschen. Ich fürchte, dass es knapp wird,

00:06:54: aber ich kann es zumindest versuchen. Ja, bitte.

00:06:59: Zunächst mal, ich habe es schon mal erwähnt, vorhin.

00:07:02: Langfristige Zeitreihen in der Waldforschung.

00:07:05: Das ist unglaublich wertvolles Material.

00:07:07: Denn solche Datenreihen, die über Jahrzehnte kontinuierlicher

00:07:12: Beobachtung und wirklich sauberer Versuchskontrolle erhoben wurden,

00:07:16: die lassen sich tatsächlich durch nichts ersetzen.

00:07:19: Das macht diese Langfristigkeit so wertvoll.

00:07:22: Und es ist natürlich eine Gefahr, die da drin steckt,

00:07:25: Nämlich abgebrochen sind solche Zeitreihen sehr schnell.

00:07:29: Man kann die sehr schnell beenden, aber dann muss man wieder von

00:07:33: vorne beginnen. Und das dauert halt dann wieder

00:07:37: Jahrzehnte und länger, bis man ähnliche Werte beieinander hat.

00:07:40: Also die Versuchsflächen werden tatsächlich mit jedem Jahr

00:07:43: wertvoller, mit dem die Zeitreihen sich verlängern.

00:07:47: Und dann noch ein anderer Gedanke. Ich meine 150 Jahre,

00:07:52: von denen wir jetzt sprechen. Das ist für uns Menschen eine

00:07:55: verdammt lange Zeit. Für Wälder und Bäume eher nicht

00:07:59: wirklich. Das heißt, die die Zeitskalen, auch

00:08:02: die Größenskalen nebenbei von Wäldern und Bäumen sind ganz verschieden

00:08:07: im Vergleich zu den unseren. Das heißt, wenn man da dranbleiben

00:08:10: will, muss man das wirklich kontinuierlich über lange Zeit tun.

00:08:13: Und dann könnte man sagen okay, wir haben ja aus der Vergangenheit

00:08:17: Oder könnte man meinen, dass man von früher schon alles gelernt hat,

00:08:21: was es zu wissen gibt. Allein das wäre schon nicht der Fall,

00:08:25: würde zu weit führen, jetzt tiefer einzusteigen. Aber jetzt?

00:08:28: Wir erleben es ja ganz hautnah. Wir stecken im Klimawandel,

00:08:33: der die Wälder ganz besonderen Schwierigkeiten Belastungen aussetzt

00:08:38: und uns vor ganz neue Fragen stellt. Was wir jetzt haben, zwingt uns dazu,

00:08:42: dass wir Gesetzmäßigkeiten, die wir kennen oder zu kennen

00:08:46: glaubten oder auch Kennwerte, die wir so im Kopf haben, als Benchmark.

00:08:50: Wenn man im Wald umgehen, dass das Dinge sind,

00:08:52: wo wir plötzlich gezwungen sind, die neu zu überdenken und beantworten,

00:08:57: wie sich so was ändert oder wie so was neu gesehen werden muss,

00:09:00: kann man das tatsächlich nur, wenn man Wald beobachtet und wenn man das

00:09:05: auch über lange Zeit hinweg macht. Also ja klar, Waldbeobachtungen

00:09:10: über eine lange Zeitraum, das ist wichtig, gar keine Frage.

00:09:13: Aber es gibt ja schon einige regelmäßige Waldinventuren in Bayern,

00:09:17: im Bund, Europa und mit denen generieren wir

00:09:20: schon einen Riesenberg an Walddaten. Braucht es da wirklich noch in

00:09:24: ganz Bayern ein Netz an diesen langen Zeitdauer? Versuchsflächen?

00:09:27: Da bin ich mir sicher, dass es so ist.

00:09:29: Denn wenn wir von Forstinventuren, Bundeswaldinventur,

00:09:33: aber auch Forstbetriebsinventuren sprechen und auf der anderen Seite

00:09:37: von langfristigen Versuchsflächen, dann sind es nicht Dinge,

00:09:42: wo man sagt, da kann das eine jetzt das andere ersetzen,

00:09:45: sondern so was ergänzt sich sehr sehr vernünftig und gut.

00:09:50: Wenn wir uns Forstinventuren anschauen, dann erlauben die uns,

00:09:54: dass wir auf großer Fläche und zwar statistisch auch sehr sauber sehen.

00:09:58: Was ist dort gerade los? Was ist der Zustand des Waldes dort

00:10:02: im Hinblick auf jede Menge Parameter, die die Inventur hergibt.

00:10:06: Auf der anderen Seite ist es aber so Die Zeitreihen sind relativ kurz

00:10:10: und das, was dann Versuchsflächen auch noch ausmacht, ist, dass man

00:10:15: kontrollierte Bedingungen hat, dass man auf verschiedenen

00:10:18: Parzellen eines Versuchs verschiedene Optionen durchspielt

00:10:23: und daraus Aussagen ableiten kann im Sinne von was wäre wenn?

00:10:28: Was würde passieren, wenn wir so und so machen?

00:10:30: Welche Gesetzmäßigkeiten erkennen wir dahinter?

00:10:33: Das heißt, das ist die Stärke von solchen Versuchsflächen

00:10:36: Langfristigkeit und dann die ganz detaillierte strenge Kontrolle und

00:10:42: Beobachtung über lange Zeiträume. Wir kennen auf dem

00:10:44: Versuchsflächen wirklich jeden Baum sein Leben lang persönlich.

00:10:49: Und das macht die Dinge unheimlich wertvoll.

00:10:51: Und insofern ergänzen sich die Inventuren.

00:10:53: Mit denen kann man gut Informationen in die Fläche bringen.

00:10:57: Mit dem Versuchswesen, mit langfristigen Versuchsflächen

00:10:59: kann man aber Gesetzmäßigkeiten erkennen und dadurch verstehen,

00:11:04: wie das Waldwachstum unter bestimmten Bedingungen reagiert.

00:11:07: Das bedeutet der große Unterschied So eine Waldinventur, die sagt mir,

00:11:10: so ist es und ich kann einfach nur feststellen, so ist die Situation,

00:11:14: so wie Sie da vorfinden. Aber ich kann nichts ändern.

00:11:17: Und die Versuchsflächen sagt ja schon der Name.

00:11:20: Ich kann dort Dinge ausprobieren, versuchen und gucken,

00:11:23: was kommt dabei raus und da lernen. Wenn ich es anders mache,

00:11:26: was passiert dann? Ist das eine gute Idee.

00:11:28: Das ist vielleicht auch eine weniger gute Idee. Absolut.

00:11:30: Bin ich ganz bei dir? Ja. Ich habe jetzt verstanden, Peter.

00:11:34: Wie du und deine Vorgänger den Wald beim Wachsen beobachtet.

00:11:36: Und was ja auch mit den Daten anstellt, was ich mir überhaupt

00:11:40: noch nicht vorstellen kann. Wie habt ihr es geschafft,

00:11:42: diese immensen Datenmengen über 150 Jahre mit dem technischen

00:11:47: Fortschritt mit zu transportieren. Das heißt, wie habt ihr es geschafft,

00:11:50: dass die Daten über einen so langen Zeitraum verfügbar und

00:11:54: auch vergleichbar waren? Ich meine, vor 150 Jahren gab es

00:11:57: noch kein einziges digitales Gerät, da war Stift und Papier angesagt.

00:12:01: Dann kamen Lochkarten, dann kam Disketten, dann kamen CDs.

00:12:04: Ja, und heute arbeiten wir mit KI. Also wie habt ihr das Schritt

00:12:07: gehalten? Was ganz entscheidend dafür ist, dass

00:12:11: die Kontinuität immer erhalten blieb. Das ist tatsächlich eine große

00:12:14: Disziplin, die alle Beteiligten immer gelebt haben, eine Disziplin über

00:12:20: Wissenschaftlergenerationen hinweg. Und man muss sich vorstellen,

00:12:25: es hat sich ja, wie du schon gesagt hast, Hildegard, es hat sehr

00:12:27: technisch unglaublich was getan. Anfangs hat man die Daten

00:12:31: wirklich auf Papier notiert, zunächst mal, und dann hatte man

00:12:37: mechanische Rechenmaschinen, mit denen man so was ausgewertet hat.

00:12:40: Und ich meine auch im Versuchswesen. Auch in der Zeit diesen 30 Jahren,

00:12:45: die ich in etwa überblicke, hat sich auch schon wieder EDV

00:12:48: mäßig was getan. Die Datenbanksysteme,

00:12:50: die wir heute haben, die sind wesentlich besser als die,

00:12:53: mit denen ich als junger Doktorand mal zu tun hatte, oder?

00:12:57: Das ist eine Ära, die ging knapp vor meiner Zeit zu Ende.

00:13:02: Das war die Ära der Lochkarten als Programme, als Daten tatsächlich

00:13:06: auf so steifen Kärtchen, in die Löcher gestanzt wurden,

00:13:09: gespeichert worden sind. Ich sehe schon.

00:13:12: Also die Technik, die technischen Schwierigkeiten

00:13:15: habt ihr gewusst zu meistern. In 150 Jahren war ja aber nicht nur

00:13:19: der technische Fortschritt eine große Herausforderung für euch.

00:13:22: Ich frage mich tatsächlich auch Wie hat eure kontinuierliche

00:13:25: Forschung lückenlos überleben können mit zwei Weltkriegen,

00:13:29: einer Weltwirtschaftskrise und einer Menge politischer Umschwünge?

00:13:34: Der allererste Satz meiner Antwort ist genau der gleiche wie vorher.

00:13:40: Es gab Leute, die unheimlich diszipliniert.

00:13:45: Es gab Leute, die unheimlich diszipliniert waren und auch trotz

00:13:50: persönlicher existenzieller Sorgen auch in Krisenzeiten weitergemacht

00:13:55: haben, weil sie gesehen haben, wie wichtig das ist.

00:13:58: Also wenn mal jemand mit Hintergrund als Historikerin oder Historiker die

00:14:04: alten Versuchsakten durchgehen würde. Leider hat man viel zu wenig Zeit

00:14:11: dazu und den Schriftverkehr verfolgt. Da kriegt man ansatzweise ein

00:14:15: Gefühl dafür, was da trotz sehr sehr unguter Zeiten nach dem Krieg

00:14:20: oder oder gegen Ende vom Zweiten Weltkrieg zum Beispiel und was für

00:14:24: eine Belastung die Leute standen. Aber die haben es doch gemacht.

00:14:27: Also das nötigt einem wie mir durchaus ein gerüttelt Maß an Respekt

00:14:31: ab und auch das Gefühl einer starken Verpflichtung, als Waldwachstumskunde

00:14:36: ler dieses Erbe weiterzuführen. Und ich hoffe, es kam rüber, dass das

00:14:40: Erbe nicht jetzt ein museales ist, sondern etwas, was höchst lebendig

00:14:44: ist und was wir wirklich mit unserer Kraft zum Nutzen für den Wald und

00:14:49: die Menschen, denen an ihm liegt, zum Einsatz bringen möchten.

00:14:54: Insofern auch ein ganz interessanter Punkt, glaube ich,

00:14:57: dass unsere Daten heute ganz frei von Emotionen, politischen Richtungen,

00:15:02: persönlichen Befindlichkeiten oder Meinungen liefern.

00:15:05: Unsere Daten zunächst mal eine unabhängige Information und

00:15:09: damit eine fundierte Grundlage für Empfehlungen und auch später

00:15:13: für Entscheidungen. Die geben jetzt nicht bestimmte

00:15:16: Empfehlungen und Entscheidungen vor. Das hängt davon ab, welche Ziele

00:15:19: man als Gesellschaft hat und welche Ziele man auch zum Beispiel als

00:15:24: Forstbetrieb oder sonst mit dem Wald betraute Institution hat.

00:15:29: Und so was kann sich natürlich ändern.

00:15:31: Aber die Information, die Grundlage, das Wie wächst der Wald und warum tut

00:15:35: er das? Das bleibt immer gleich. Aber das kennen wir ja auch aus der

00:15:39: Vergangenheit die Entscheidungen, die auf gleicher Grundlage

00:15:42: getroffen worden sind. Das hängt ganz stark davon ab,

00:15:44: was die Gesellschaft zu der jeweiligen Zeit gerade will.

00:15:48: Wow, ich bin jetzt wirklich beeindruckt

00:15:50: und auch ein bisschen demütig. Peter, Ich zweifle jetzt keine

00:15:53: einzige Minute mehr daran, warum es so wichtig ist, dass die

00:15:56: bayerischen Versuchsflächen in Bayern weiterbetrieben werden müssen.

00:16:00: Und, liebe Hörerinnen und Hörer, ich bin doch ehrlich gesagt ein

00:16:03: bisschen stolz, dass wir an der LWF dieses wertvolle Walderbe bekommen

00:16:08: haben und wir damit auch betraut worden sind, damit weiterhin

00:16:13: verantwortungsvoll umzugehen. Und ganz ehrlich, Peter, mein

00:16:16: Eindruck ist, dass diese Waldflächen bei dir in guten Händen sind.

00:16:20: Vielen Dank für das Vertrauen. Ja, und es beruhigt mich

00:16:23: tatsächlich auch. Ja, es beruhigt mich tatsächlich.

00:16:25: Das meine ich auch wirklich so, weil das Thema eigentlich das Megathema

00:16:29: Klimawandel spielt ja gefühlt in fast jede Podcastfolge ein.

00:16:32: Also jedes Mal, wenn ich einen Forstcast aufnehme,

00:16:35: komme ich an den Punkt, wo wir den Klimawandel reden.

00:16:38: Und wenn ich dann fertig bin mit der Aufzeichnung, dann gehen mir so

00:16:41: manche Gespräche auch wirklich nach. Und ich beobachte mich selber,

00:16:45: dass mir in letzter Zeit immer drei Dinge nach jeder Forstcast

00:16:49: Folge durch den Kopf gehen. Das erste ist, ich habe den Eindruck,

00:16:52: mein komplettes Weltwissen wird auf den Kopf gestellt.

00:16:56: Das zweite ist, dass die Anforderungen an den Wald in unserer

00:16:59: Gesellschaft immer größer werden. Und da habe ich mich auch mit

00:17:03: unserem Chef Dr. Peter Pröbstle in der Forstcast Folge 22

00:17:07: eingehend darüber unterhalten. Und das dritte ist Ich frage mich,

00:17:10: wie wir in der Forstpraxis noch verlässliche Infos und

00:17:15: Empfehlungen bekommen, um gute Entscheidungen treffen zu können.

00:17:18: Also wo bekommen wir in einer Welt noch eine Entscheidungshilfe,

00:17:21: in der alles in Frage gestellt wird? Ja, ganz ohne Eitelkeit,

00:17:26: möchte ich jetzt sagen Die Quelle für die Information,

00:17:29: die sind primär tatsächlich wir auf ganz verschiedenen Ebenen.

00:17:34: Wir halten Vorträge einerseits wissenschaftlicher Natur,

00:17:37: aber für die Praxis sind Vorträge interessant, die sich sehr konkret

00:17:41: praktischer Themen annehmen. Genauso ist es mit Publikationen,

00:17:46: die wir auf unterschiedlichen Levels von Zeitschriften,

00:17:49: die sich an Praktiker richten, bis hin auch zu zu Peer

00:17:52: reviewten wissenschaftlichen. Das ist auch eine wichtige

00:17:54: Schiene unserer Arbeit. Das heißt, die Information,

00:17:56: die wir erzeugen, ist für unterschiedliche Interessengruppen,

00:18:00: für unterschiedliche Leute mit unterschiedlichen Hintergründen,

00:18:03: hoffentlich von Interesse. Und entsprechend bedienen wir da

00:18:06: verschiedene Schienen. Wir machen auch Exkursionen,

00:18:09: natürlich. Und wenn man uns nicht fragt,

00:18:12: versuchen wir auch immer eine Antwort zu geben, die die,

00:18:15: die möglichst hilfreich ist. Oder in meinem Fall ich habe ja

00:18:18: schon gesagt, dass sie darum ja nach wie vor verbunden bin,

00:18:22: eben auch in einem gewissen Umfang auch Lehre zum Waldwachstum.

00:18:25: Dort, also auch hier. Über die Ausbildung fließt die

00:18:28: Information quasi kontinuierlich und ständig mit rein.

00:18:32: Und dann kommen wir wieder zu dem Punkt.

00:18:35: Wir hätten es natürlich immer gerne schneller.

00:18:38: Die Information und das Problem. Das hatten wir auch schon.

00:18:43: Wald hat wesentlich längere Lebenszyklen als wir Menschen,

00:18:46: die haben. Das heißt, man muss einen

00:18:48: gewissen Aufwand treiben, diszipliniert sein und Geduld haben.

00:18:52: Denn die Zeitreihen sind am Ende der Schiedsrichter darüber, was

00:18:56: wirklich Wahrheit ist und was nicht. Und man kann sich, wenn man schneller

00:18:59: Informationen braucht, behelfen mit sogenannten Wuchs reihen.

00:19:02: Das ist eine bestimmte Sorte von Versuchsflächen und mit

00:19:06: Modellrechnungen. Aber am Ende sind es tatsächlich

00:19:08: die harten Informationen aus den Zeitreihen, die dann die beste

00:19:13: Information hergeben. Harte Zeitreihen.

00:19:16: Das erinnert mich an eine Frage, die ich dir vorhin schon stellen wollte.

00:19:20: Wir sprechen hier die ganze Zeit über Zahlen, Zeitreihen, Auswertungen

00:19:24: und das ist jede Menge Statistik. Wer hilft dir denn,

00:19:27: all diese Zahlen zu sammeln, zu dokumentieren und auszuwerten?

00:19:31: Sehr gute Frage. Es funktioniert, oder?

00:19:35: Es würde nicht funktionieren, wenn man nicht ein sehr gut

00:19:39: eingespieltes Team. Bei uns wären die Marinefanger

00:19:44: und ich. Wir teilen uns die Leitung vom

00:19:46: Versuchswesen. Und dazu kommen schon mal unsere

00:19:50: beiden Versuchsleiter. Das sind sehr erfahrene, gewiefte

00:19:53: Förster, die die Versuche draußen im Gelände managen und auch die,

00:19:58: die die Basisdaten Pflege machen. Da sind zu nennen der Kollege

00:20:02: Martin Nickel und der Konrad Gebhard und auch weitere Kollegen,

00:20:07: die, wenn Not am Mann ist, uns da nicht im Stich lassen.

00:20:11: Und ohne so ein Team, das hier am gleichen Strang zieht

00:20:14: und ohne zahlreiche Hilfskräfte, die wir natürlich auch noch brauchen,

00:20:18: damit die Dinge im Gelände laufen, wäre das überhaupt nicht möglich.

00:20:21: Wichtig ist aber auch unser Counterpart in der Praxis.

00:20:25: Es wäre nicht möglich, so ein Versuchsflächen Netz

00:20:28: aufrechtzuerhalten, wenn wir nicht von den Leuten in

00:20:32: deren Waldbesitz, in deren Revieren unsere Versuche liegen,

00:20:36: ein großes Verständnis und großes Entgegenkommen bekommen würden.

00:20:40: Das ist zu größten Teilen die BASF, aber auch andere Waldbesitzer.

00:20:45: Und ein dritter Punkt Auch das ist wichtig, das zu sagen, nämlich

00:20:49: die bayerische Forstverwaltung. Die trägt dieses Versuchs Flächennetz

00:20:53: weiter, und das macht sie mit der gleichen Entschlossenheit

00:20:57: und mit der gleichen Klugheit, mit der er, unser alter August von

00:21:01: Ganghofer das Ganze begonnen hat. Ein sehr wichtiger Punkt aus

00:21:05: meiner Sicht und auch an dieser Stelle herzlichen Dank dafür.

00:21:09: Ja, das ist total wichtig, weil natürlich auch wenn du

00:21:11: heute vor dem Mikro stehst und wir uns darüber unterhalten,

00:21:14: aber all die stummen Teammitglieder machen das ja nur möglich,

00:21:18: dass all das weitergetragen wird. Und auch all die,

00:21:21: die das auf politischer Ebene oder auch im Außendienst mittragen,

00:21:26: machen das nur möglich, dass wir weitermachen können,

00:21:28: weil der engagierteste Wissenschaftler ist halt verloren,

00:21:31: ohne Versuchsflächen und ohne auch Mittel, mit denen er arbeiten kann.

00:21:34: Also deswegen. An dieser Stelle sei der dieser

00:21:36: umfassende Dank auch gerne Platz eingeräumt.

00:21:40: Weißt du, was ich ganz ungewöhnlich heute finde?

00:21:43: Ich habe es ja oft mit Wissenschaftlern zu tun,

00:21:45: die aber weniger so diese Megazahlen Nerds sind, sondern die meisten.

00:21:49: Bei mir sind eher so die Waldfans. Aber du bist ja wirklich so

00:21:54: Statistik, da blühst du auf. Und ich finde das total faszinierend,

00:21:57: weil die meisten oder beide meisten. Wenn man Zahlen und Statistiken

00:22:01: erwähnt, dann löst es bei den meisten Menschen einen spontanen

00:22:04: Fluchtreflex aus. Bei dir? Ganz im Gegenteil,

00:22:06: Du stehst vor mir und du strahlst. Und du würdest gerne noch eine

00:22:10: eigene Podcastreihe zum Thema Waldwachstumskunde aufmachen.

00:22:13: Was fasziniert dich denn so an diesem Thema?

00:22:16: Einen großen Teil der Faszination macht für mich aus und ich muss

00:22:19: dazu sagen, dass er tatsächlich ein Kleinwaldbesitzer bin.

00:22:23: Möglicherweise auch deswegen reizt mich sehr stark diese

00:22:27: Verbindung zwischen Grundlagenforschung einerseits

00:22:30: und Praxis andererseits aus der. Aus den Gesetzmäßigkeiten, die man

00:22:34: auf der Grundlagenseite erkennt, kann man die Praxis, glaube ich,

00:22:38: kompetenter informieren, als wenn man nur auf der beschreibenden Schiene

00:22:42: steckenbleiben würde, von der ich vorhin gesprochen habe und umgekehrt.

00:22:45: Aber durch die Verbindung mit der Praxis kommen aus der Praxis

00:22:48: auch wieder die interessanten relevanten Fragen rein.

00:22:51: Also das ist ein Punkt, der mich sehr fasziniert.

00:22:54: Und konkret zur Statistik. Ich sehe mich jetzt als empirischen

00:22:59: Naturwissenschaftler und als solcher muss ich Fragen an die Natur stellen

00:23:04: und hoffe, dass ich Antworten kriege. Und die Statistik,

00:23:07: die ist ganz einfach mein Werkzeug. Oder sagen wir mal,

00:23:10: es ist ein Instrument, mit dem ich versuchen kann,

00:23:14: wenn ich Daten habe, anhand dieser Daten Fragen an die Natur zu stellen.

00:23:19: Also manche Leute sagen aber, die kommen eher aus dem Physikbereich.

00:23:23: Die Mathematik ist die Sprache der Natur.

00:23:25: Ich glaube schon, dass da was dran ist.

00:23:28: Und mein kleines Werkzeugarsenal, das sortiert sich da ein.

00:23:33: Peter Ganz zum Schluss brennt mir noch eine letzte Frage auf der

00:23:37: Seele Als Waldwachstumskunde ler beobachtest du den Wald beim Wachsen,

00:23:41: um ihn besser zu verstehen und uns die Forstpraxis besser zu

00:23:46: informieren. Mein Eindruck nach unserem Gespräch

00:23:49: Das Wachsen an sich scheint der Wald ganz gut ohne uns hinzubekommen.

00:23:54: Und du kennst ja sicher den Spruch Wie gut hat es doch die Forstpartie.

00:23:58: Es wächst der Wald auch ohne sie. Ich stelle mir jetzt echt die

00:24:01: Frage als Förster in und damit ja eher so als Waldmanager.

00:24:05: Sollte ich jetzt besser umschulen auf Waldbeobachterin?

00:24:08: Der Spruch Der Wald wächst ohne uns. Das stimmt natürlich.

00:24:11: Aber was man bedenken muss ist Wir sind eine irre komplexe

00:24:16: Gesellschaft hier bei uns. Und das bedingt, dass wir irre

00:24:20: viele Ansprüche an den Wald haben. Vielleicht noch viel mehr,

00:24:23: als das vor 50 Jahren der Fall war. Und die Ansprüche sind sehr

00:24:27: divers verschieden, und es ist allerdings so, dass der Natur der

00:24:32: sind unsere Ansprüche völlig egal. Also was wir wollen oder möchten,

00:24:36: interessiert die Natur nicht, die sorgt für bestimmte Entwicklungen

00:24:41: und das ist halt dann einfach so, das heißt, ich glaube,

00:24:45: es wäre fast ein bisschen naiv, wenn wir meinen, dass wir das,

00:24:50: was wir uns als Gesellschaft vom Wald versprechen, dann am besten kriegen,

00:24:54: wenn wir den Wald auf großer Fläche aus der Nutzung rausnehmen.

00:24:58: Das kann vielleicht ein Ziel sein auf bestimmten Flächen.

00:25:01: Aber ich bin persönlich davon überzeugt, dass das nicht das Rezept

00:25:06: ist, das uns als Gesellschaft, die an den Wald bestimmte

00:25:10: Ansprüche hat, am besten hilft. Aus meiner Sicht geht es

00:25:16: tatsächlich um einen klugen, differenzierten und nicht um einen

00:25:19: schablonenhaften Umgang mit dem Wald. Und im Übrigen haben auch unsere

00:25:25: Versuche in aller Regel immer auch eine unbehandelte Parzelle drin,

00:25:30: wo wir nicht eingreifen, also wo tatsächlich der Wald wächst,

00:25:33: so wie er wächst, Wenn wir keine Bäume entnehmen, zum Beispiel

00:25:38: wenn wir den einfach so lassen. Und gerade diese Flächen haben

00:25:42: eine sehr wichtige Information für uns als Referenz.

00:25:46: Das heißt, um das noch mal aufzugreifen,

00:25:48: ich würde mich also sehr freuen, wenn du Försterin bleibst und

00:25:53: unter anderem auch deswegen, denn ich bin sehr davon überzeugt,

00:25:57: dass wir zukünftig eher mehr als weniger Profis im Wald brauchen.

00:26:02: Weil wenn ich dich richtig verstehe, dann brauchen wir nämlich genau

00:26:04: die Waldprofis dafür, die sich auf der einen Seite darum kümmern,

00:26:08: dass die Natur sich gut um sich selber kümmern kann,

00:26:11: aber auf der anderen Seite, dass die Natur trotzdem uns Menschen

00:26:15: und unsere Gesellschaft das liefert, bietet und leistet, was wir dringend

00:26:20: brauchen, um gut leben zu können. So würde ich mir das auch vorstellen.

00:26:24: Okay, Peter, dann vereinbaren wir heute Folgendes.

00:26:27: Ich bleibe Försterin aus Leidenschaft und du bleibst Waldwachstumskunde aus

00:26:31: Leidenschaft und sorgt bitte dafür, dass wir auch noch weitere Jahrzehnte

00:26:35: fundierte Zeitreihen und Baumdaten bekommen, damit ich und alle anderen

00:26:39: Forstleute und Waldbesitzer und Politiker auch in Zukunft noch

00:26:43: hilfreiche Entscheidungen rund um den Wald und die Gesellschaft

00:26:47: treffen können und noch viel wichtiger diese auch umsetzen können.

00:26:51: Die Vorstellung ist mir sehr sympathisch.

00:26:53: Gut, ja, wir hatten auch ein sehr sympathisches Gespräch.

00:26:56: Peter Ganz zum Schluss möchte ich noch eine letzte Frage stellen.

00:27:00: Die hat nichts mit Waldwachstumskunde zu tun. Ja, wahrscheinlich.

00:27:03: Ich vermute, vielleicht doch ein bisschen, aber

00:27:05: meine Frage hat damit nichts zu tun. Deine Antwort bestimmt schon.

00:27:07: Stell dir mal vor, du bist ein alter Herr.

00:27:09: Du sitzt in einem gemütlichen Ohrenbackensessel am knisternden

00:27:13: Kaminfeuer. Du hast eine Tasse heißen Tee in

00:27:15: der Hand, um dich herum deine Enkelkinder,

00:27:18: und sie fragen dich Opa Peter, was ist deine beste Waldgeschichte?

00:27:23: Was würdest du ihnen erzählen? Oh je. Es gibt verdammt viele.

00:27:27: Aber der eine passt vielleicht ganz gut hier zum Thema.

00:27:32: In meiner Zeit an der TUM habe ich oft mal Telefonanrufe bekommen,

00:27:40: die mit Anfragen zum Wald in irgendeiner Form zu tun hatten.

00:27:44: Einmal war ein älterer Herr in der Leitung, und der hat überhaupt nicht

00:27:48: gesagt, wer er ist oder was er will, sondern der hat gleich mal

00:27:50: richtig losgepoltert. Diese verfluchten Wissenschaftler,

00:27:53: die verdrehen alles absichtlich. Denen sollte man usw usw.

00:27:58: Und ich habe natürlich zunächst mal den Impuls verspürt,

00:28:01: den wir alle verspüren würden. Ich dachte mir okay,

00:28:05: jetzt erkläre ich dir mal kurz und deutlich, wie man miteinander

00:28:08: spricht und dann lege ich auf. Aber dann dachte ich mir okay,

00:28:12: wenn er sich so aufregt, ich bin ein bisschen neugierig darauf,

00:28:15: was denn sein Problem ist. Wenn ich sie ihm entlocken kann.

00:28:18: Und so habe ich durchgeatmet und versucht, ihn da ein bisschen runter

00:28:23: zu kriegen und jetzt mal zu hören, was ihn denn eigentlich bewegt.

00:28:27: Und herausgestellt hat sich, dass es sich einfach um den Wald

00:28:31: im Klimawandel Sorgen gemacht hat und dass er keine Ahnung, wo er das

00:28:36: entdeckt hat. In welchen Medien? Dass er der Meinung war,

00:28:39: die Forstwissenschaftler würden sich grundsätzlich und

00:28:42: möglicherweise absichtlich die völlig falschen Sachen zur Brust

00:28:46: nehmen und analysieren, wo doch das Problem ganz woanders läge.

00:28:49: Und dann habe ich mir gedacht okay, vielleicht funktioniert es und habe

00:28:53: Schritt für Schritt seine Argumente aufgegriffen und habe versucht,

00:28:58: was Sinnvolles dazu zu sagen. Und die Wendung in dem Gespräch,

00:29:03: die war dann doch sehr interessant. Wir waren plötzlich in einem ruhigen,

00:29:06: höflichen Gespräch drin, wo ich, wo ich seine Bedenken doch lösen

00:29:10: konnte, um das mal so zu formulieren. Und er hat dann sogar noch ein paar

00:29:15: wirklich gute Fragen gestellt. Und am Ende dieses Gesprächs sind

00:29:19: wir mit Dank und recht freundlich voneinander geschieden.

00:29:22: Und an dem Tag habe ich doch, glaube ich, für mich etwas ganz

00:29:26: Entscheidendes gelernt dass es nämlich nicht nur so sein muss,

00:29:30: dass wir die Wissenschaft betreiben, sondern dass wir uns auch doch

00:29:34: regelmäßig die Mühe machen sollten, darüber zu sprechen.

00:29:37: Und zwar in einer Form, die auch für Laien was nicht heißt,

00:29:42: dass das dumme Leute wären oder so, ganz im Gegenteil.

00:29:44: Aber für Leute, die den Hintergrund nicht haben, aber interessiert sind,

00:29:48: verständlich sind. Und vor diesem Hintergrund

00:29:51: bedanke ich mich natürlich sehr. Das war heute auch eine ganz tolle

00:29:54: Gelegenheit, das hier zu tun. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht.

00:29:58: Ich hoffe, es kam ein bisschen was rüber.

00:30:00: Mir hat es auch großen Spaß gemacht, Peter und vielen Dank.

00:30:03: Bisher war es Waldwachstumskunde Wir ehrlich gesagt nicht mein

00:30:05: Lieblingsfach im Studium. Du hast mich heute bekehrt.

00:30:08: Jetzt wünsche ich dir noch einen schönen restlichen Tag.

00:30:10: Danke, dass du da warst, Peter. Herzlichen Dank, Hildegard.

00:30:13: Ich kann mich nur wiederholen. Der Spaß war ganz auf meiner Seite.

00:30:17: Sehr schön. Wer von euch jetzt tiefer in das

00:30:21: Thema eintauchen will, der findet weitere Infos und

00:30:24: Links zum Thema in den Shownotes. Hat euch die Folge gefallen?

00:30:28: Dann empfehlt uns weiter und lasst gerne eine Bewertung da.

00:30:32: Fünf Sterne heißt Wir haben unser Waldwissen für euch kompakt, klar

00:30:37: und konkret auf den Punkt gebracht. Ihr wollt mehr Wald wissen?

00:30:41: Kein Problem. Dann lasst uns ein Abo da.

00:30:44: Besucht unsere Webseite unter LWF .bayern.de oder folgt uns

00:30:49: auf LinkedIn. Wenn ihr Fragen zu einem

00:30:52: bestimmten Waldthema habt, dann schreibt mir einfach eine Mail

00:30:55: an social media LWF .bayern.de. Hier an der Landesanstalt für Wald

00:31:01: und Forstwirtschaft finde ich bestimmt die passende Fachfrau

00:31:05: oder den passenden Fachmann, der eure Waldfrage beantworten kann.

00:31:10: Das war's für heute. Wir hören uns nächsten Monat

00:31:12: wieder zu einer neuen Folge von Forstcast eurem Waldpodcast.

00:31:30: Ist Jetzt kommen die Outtakes. So, Forstcast Waldwachstumskunde

00:31:37: Klappe die zweite. Auch so ein Ja, fast ein Wort.

00:31:44: Ach, lasst es raus. Eure kontinuierliche Forschung, oder

00:31:48: wie? Nein, ich mache es noch mal! Das wäre wahrscheinlich ein

00:31:53: Gegenstand für 3 bis 5 spannende Podcasts.

00:31:57: Ich sehe schon demnächst der Waldwachstumskunde Podcast mit

00:32:01: Dr. Peter Biber. Vielen Dank, Vielen Dank.

00:32:03: Ich werde bei. Waldwachstum als weiter.

00:32:07: Was für ein Wort als Waldwachstumskunde ler. Blätterpause.

00:32:13: Gut. Alex, wir sind durch.